
Agassi
Unangepasster Pop, der am Gartenzaun entsteht und über gar nicht mal so viele Umwege im Schoße einer rundherum eigenwilligen Supergroup landet: Agassi sind ein charmant anarchisches Projekt der Postmoderne, im denkbar besten Sinne. Referenzen und Querverweise bringt der Fünfer aus den britischen und deutschen Musiksphären folgerichtig en masse zusammen – von abgeklärtem Post-Punk bis slackendem Indie Pop, von trockenen Spoken-Word-Passagen bis zur neuesten Neuen Deutschen Welle mit verträumtem Nostalgie-Drift. Das Debütalbum „Arcade Melodies“ (2026) haben Ben Galliers von The Voo und Mark Tavassol von Wir sind Helden schließlich in stilsicherer Detailarbeit mit der Sängerin und Keyboarderin Nina Müller zusammengeschustert. Weit jenseits der depressiven Trends menschlicher oder maschineller Slops im Musikgeschäft formulieren Agassi nun ein Plädoyer für imperfekte, tief humane, liebevoll geschriebene Songs wie „Coin Pusher“ oder „Keine Energie geht verloren“, die sich auf die Seele legen wie die Hand einer guten Freundin auf die erkaltete Schulter. Auch deshalb gibt es zu Recht derzeit ganz viel Liebe für Agassi. Der Ball liegt nun in unserem Feld und wir spielen ihn im September mit größtem Vergnügen zurück.

