
Amor Vincit Omnia
Sie waren durchaus ihrer Zeit voraus, die Ritter und Minnesänger, die während der Renaissance mit dem Wirkspruch „Amor Vincit Omnia“, also etwa „Liebe besiegt alles“ durch die Lande ritten. Auch heute könnten wir diesen Worten wieder mehr Bedeutung beimessen, weshalb sich Amor Vincit Omnia das Motto konsequent auch direkt auf die Fahne schreiben. Der bittersüße Hyper Pop des isländischen Duos war schon auf der Debüt-EP „brb babe“ (2024) von matt schimmernden Beats und einem psychedelischen Repertoire an Effekten, Vocodern sowie Synth-Melodien geprägt. Wer moderne Experimente im Spannungsfeld von Breakbeats, Ambient-Pads, Autotune und sphärischen Clubbangern feiert, kann hier also gar nicht weghören – egal ob der isländische Underground schon seit Jahren auf dem eigenen Radar ist oder die Insel im Norden viel zu weit weg erscheint. Denn mit der neuen EP „Extended Babe“ (2026) überflügeln Amor Vincit Omnia nun zwei Jahre später sich selbst noch einmal und erzeugen irrwitzig emotionale Momente moderner Popmusik, die als Soundtrack fürs Verliebtsein ebenso taugen wie für das Aufatmen nach einem schmerzhaften Abschluss. Lieblingsband-Potenzial: through the roof.
