
Boutique Feelings
Im Herzen geht es um den Puls und die Attitüde von Hip-Hop, sozusagen als zentrales Drehkreuz. Doch wohin sich Einflüsse und Ideen ab da weiter verzweigen - das ist völlig offen. Karim Lakhdar mixt sich unter seinem Alias Boutique Feelings nämlich durch eine ganze Palette experimenteller Klangfarben, die es in der Form noch nicht zu hören gab. Neben der Improvisationskraft des Jazz wird hier auch schattiger Trip-Hop beschwört, während funky Synthesizer mit neonfarbener Psychedelia schmusen. Ein roter Faden für analoge, elektroakustische Produktionsmethoden ist in Struktur und Layering der einzelnen Tracks zu erkennen, die rohe Rhythmusenergie und cineastische Melodiespitzen in Kontrast setzen. Nicht selten erinnert das an Funkadelic oder gar Outkast, an Tyler, The Creator ebenso wie an Tricky. Ähnlich wild und unangepasst wie das auditive Erlebnis gestalten sich auch die Texte, in denen sich der DIY-Rapper zwischen US-amerikanischer Kriegsgeilheit und medialer Desinformation, Doomscrolling und Plattformkapitalismus, Imposter-Syndrom und grauen Gegenwartsbeobachtungen durch ein verdammt dorniges Themendickicht kämpft. Das Debütalbum „Shwaya, Shwaya“ (2025) wird deshalb nicht umsonst von Kennern des kanadischen Rap-Untergrunds als überlebensgroßes Statement eines Ausnahmetalents gefeiert. Wer zweifelt, kommt im September nach Hamburg und überzeugt sich selbst.

