
Bruno Kawelke
Anders als die meisten Rapper Deutschlands setzt Bruno Kawelke nicht auf überproduzierte Beats, prestigeträchtige Features oder einen zurechtgestutzt aggressiven Impetus. Dem Kölner Lyricist geht es mehr ums gewiefte Geschichtenerzählen, mit immer wieder unerwarteten musikalischen Wendungen. Mal spricht er scheinbar emotionslos über zartem Gitarrenzupfen in „Balkon“, mal werden die Tracks laut und cineastisch wie bei „Machen Götter aus Männern“ (2025) – dazwischen ist alles drin, was sich zur Untermalung der introspektiven Gegenwartskritik als dienlich erweist. Auch ein vertrackter Breakbeat, eine diesige Trap-Ballade oder ein bisschen sehnsüchtiger Soul. „Dinge die ich nicht mehr ändern kann“(2025), Kawelkes Debüt-EP, berichtet uns folgerichtig auch von Dingen, die wir nicht mehr ändern können. So funktioniert das Spiel mit der Reflexion: wir sehen uns im anderen, das Andere in uns. Auch in einem Track wie „Orcas“ (2024) haben sich schon viele wiedergefunden, jeder in einer anderen Zeile. So bewegt sich Bruno Kawelke in einer reichhaltigen Tradition von deutschsprachigen Liedermachern und Rappern, die zunehmend als gefährdet gilt und der das Wort Sprechgesang noch irgendetwas bedeutet. „Wie wahrscheinlich waren wir“, fragt er folgerichtig auf seiner neuen Single. Kaum, ließe sich attestieren. Aber gerade deshalb umso schöner, dass er da ist, um zu bleiben.

