
Carla Ahad
Da wo früher zwielichtige PR-Maschinerien Talente konstruierten, dominiert heute immer öfter die unbändige Energie selbstermächtigter Kunst, kreiert von Menschen ohne Erwartungsdruck. Ob im Netz oder auf den kleinen und großen Festivalbühnen, ob im Radio oder auf den hoch frequentierten Playlisten: Carla Ahad ist vielleicht das jüngste und zweifellos derzeit beeindruckendste Beispiel für authentischen Indie-Pop, der frisch, wild, tanzbar und völlig unbeeindruckt von Hypes einer eigenen Vision folgt. Das zeigen schon Singles á la „Bleib doch noch“ (2023) oder „Blauer Himmel Odyssee“ (2024) mit jeder Menge Charme und gesundem Selbstbewusstsein. Körperliche Beats zwischen Techno und House, suchterzeugende Singalong-Hooks verziert von femininer Verspieltheit und funkelnden Synths fusioniert die DIY-Producerin mit einer bestechenden Leichtigkeit, als könne sie nichts und niemand aus der Bahn werfen. Wie auch? Schließlich wird dieser bedingungslos positive Vibe von Carlas Erfolg flankiert, mit dem sie innerhalb weniger Jahre zu einem millionenfach gestreamten Phänomen avanciert, das die verkrustete Logik der Industrie eben auch durch diverse „Banger“ (2024) genüsslich niederreißt. Wen wundert es da, dass dem Debütalbum „Junges Ding“ (2025) letztes Jahr Fans und Feuilletons gleichermaßen zu Füßen liegen. Höchste Zeit, dass sie diese Magie auch bei uns spielen lässt.

