
Cory Hanson
Ein bisschen bittersüße Einsamkeit, eine Prise hazy Nostalgie für die Folk-Poeten der Siebziger und einen endlosen Vorrat an herzzerreißenden Riffs bringt Cory Hanson mit, um das zeitgenössische Songwritertum seines kommerziellen Muffs zu entledigen. Mit welcher Selbstverständlichkeit ihm dies gelingt, muss selbst alteingesessenen Neil-Young-Ultras die Augenbrauen hochziehen. Zunächst einmal: die Einflüsse sind klar. Ein Doug Martsch schimmert hier ebenso durch wie die Grateful Dead, Blue Oyster Cult, Soundgarden oder Sonic Youth. Und trotzdem zeigt sich die Grundierung ganz klar am sehr alternativen Country Rock orientiert. Alben wie das Debüt „The Unborn Capitalist From Limbo“ (2016) oder das grandios eklektische „Western Cum“ (2023) fusionieren all das aber zu einem Stil, der von vorne bis hinten einfach nur funktioniert. Cory Hanson ist dabei nicht bloß ein virtuoser Grenzgänger der Americana, sondern zugleich ein kluger Zeitzeuge der US-amerikanischen Gegenwart mit all ihren Unwägbarkeiten, Umbrüchen und Untergangsszenarien. Das zeichnete ihn auch schon als Frontmann der Band Wand aus. Mit seinen Soloalben erweitert er über die letzten Jahre seine Qualitäten als Musiker und Poet aber auf eine disruptive Weise, die ihn aus dem Konformen herausstechen lässt wie einen Leuchtturm im Meer.

