
Eosine
Es gibt Momente, in denen weckt Musik Erinnerungen, die gar nicht die eigenen zu sein scheinen. Zu rauschartig wirken die Bilder, zu weit entfernt die Düfte und Klänge. Elena Lacroix hat mit dem von ihr gegründeten Quartett Eosine einen Weg gefunden, derartige Nostalgiewellen zu surfen und in ätherische Ströme aus Gitarren, Drums und Vocals zu übersetzen. Inspiriert von den Lichtfiguren des frühen Shoegaze, von My Bloody Valentine und Ride, stehen EPs wie „Coralline“ (2023) oder das sphärische „Liminal“ (2024) in einer reichen Tradition entrückender Klänge, die vor drei Dekaden das Lebensgefühl einer ganzen Generation einfingen – und das heute wieder tun. Lustvolle Distortions im Widerspiel mit geisterhaften Vocals prägen diese Klangsignatur aus Sounderuptionen und schimmernden Melodien, während sich das Gestern und Heute erleichtert in die Arme fallen. Denn bei aller Sehnsucht, bei allem Nebel vollmundiger Erinnerungen verweist diese Musik mit großer Zuversicht auf die sinnlichen Freuden im Hier und Jetzt – nicht zuletzt durch sich selbst. Zwischen warmer Ekstase und krachenden Riff-Impulsen gelingt der vierköpfigen Band so ein zutiefst zeitgemäßer Sound, an dem sich Fans von Lush oder Slowdive wohl kaum satthören können.

