
GbR
Erst war es nur der verzweifelte Versuch dem seelenlosen 9-to-5-Wahnsinn zu entfliehen, auf ein paar spontan zusammengeschraubten Analog-Beats die kahlen Wände der Würfelbüros platt zu walzen und die eigene Menschlichkeit zu retten. Doch dann haben Joshua Pfeiffer und Xaver Held gerafft, dass es diesen in Premium Pils getränkten Sound so noch gar nicht gibt: hier kloppen die Geister von Falco und Frank Farian frisch geölte Bretter an glitzernde Synth-Pop-Fassaden, während Kippendunst und pumpender Atzen-Wave die Luft erfüllen. Brecher wie „Lecker Bierchen“ (2024) oder „Pissen in Berlin“ (2025) sind post-ironische Spaßorgien in Asi-Ästhetik, bei der selbst die schmierigsten Spelunken den Notruf herbeizitieren. Doch als GbR rasiert das Duo auch dem deutschen Spießertum die schütte Perücke von der Birne und zeigt an, was hierzulande tatsächlich schief läuft. So teilt das Debütalbum „Funkhaus“ (2025) jenseits aller Regeln der Kunst aus und kodiert Sozialkritik zwischen Mitgröhl-Hooks, zelebriert zeitgenössische Meme-Kultur im Schlagermodus und dreht ganz nebenbei die neueste Neue Deutsche Welle mit Schmackes auf links. Reizvoll retro und doch zeitlos am status quo zündelnd, ist die Gesellschaft bürgerlichen Rechts auf dem besten Weg zur Kultkombo und feiert in diesem Jahr mit komischen Geräuschen eine Reeperbahn-Premiere der besonderen Art.
