
Martyna Basta
Klang als Gewächs, als etwas, das sich organisch entwickelt, dem Zeit und Raum gegeben werden muss – das hat Martyna Basta verstanden wie keine andere zeitgenössische Komponistin Polens. Den strukturellen Ansätzen früher Pioniere der minimal music folgend, fusioniert die klassisch trainierte Gitarristin einzelne melodische Fragmente, akusmatische Klangquellen, dissonante Harmonien zu Hörerfahrungen jenseits konventioneller Begrifflichkeiten. Ähnlich wie La Monte Young, Charlotte Moorman oder Moondog verwebt Basta etwa auf den Alben „Making Eye Contact With Solitude“ (2021) und dem überragenden „Slowly Forgetting, Barely Remembering“ (2023) Lagen von elektroakustischen Klangtexturen miteinander und beschwört so Atmosphären, die von sakral-entrückt bis zu bedrohlich-ominös alles abdecken. Ambient und Field Recordings, Lowercase Music und ein sinnliches ASMR-Repertoire staffieren das Kopfkino in monochromen Farben aus, die eine unwiderstehliche Sogkraft entwickeln. Auf ihrem neuen Album „Winged In Collapse“ (2026) nimmt der Soundtrack von Untergang und Auferstehung nun kammerorchestrale Qualitäten an, demonstriert aber auch, wie souverän Martyna Basta allen zeitgeistigen Trends zum Trotz ihre mikrotonalen Visionen zu realisieren versteht.
