
MDW
Das Meer ist dunkel und weit – und irgendwie auch schön. Vielleicht surfen MDW deshalb nicht auf der neuesten Neuen Deutschen Welle in Richtung Strand, sondern tauchen stattdessen durch sie hindurch, schwimmen weiter raus, wo die fliehenden Stürme singen. Das Duo aus Hamburg liefert die Begleitmusik zum traurigen Tanzen, zur bittersüßen Melancholie, die in Zeiten scheinbar allumfassenden Kulturbankrotts auch tröstenden Charakter annehmen kann. So vereinen Songs wie „Atme“ (2024) oder „oxy2cin“ (2025) den düsteren Vibe der Post-Punk-Heydays circa 1985 mit New Wave und detailverliebtem Synthpop, um Atmosphären zwischen Introspektion und extrovertierter Feierlaune zu erzeugen. Ein delikates Experiment, das sich nicht mit Fragmenten rabattierter Songwriter-Baukästen realisieren lässt. Gespür für gute Texte in noch besseren Melodien ist hier vonnöten, ein bisschen zeitgenössisches Pop-Appeal, aber auch diese gewisse rawness in Sound und Produktion. MDW liefern das Komplettprogramm mit ausgewählten Extras und verlangen nicht einmal viel dafür: einfach zuhören, fallen lassen und Ende September bei uns in die Gig-gewordene Zeitmaschine ihrer Reeperbahn-Premiere einsteigen.
