MEDUΣA
Über dem Knistern kalt kalibrierter Drum-Maschinen schwebt die rauchige Stimme von MEDUΣA im Straßenlaternenlicht und singt vom Alleinsein und Leineziehen, von Verführung und Verlust. Die mysteriöse Synthpop-Hexe landet mit den Singles „Monster“ und „Nicht gegangen, nicht geblieben“ (2025) vergangenes Jahr mitten im hiesigen Revival der Achtziger und haucht diesem Sound eine gewaltige Portion Sehnsucht ein, der kaum zu widerstehen ist. Vernebelt und urban, nostalgisch und dennoch unbedingt zeitgemäß schlendern ihre Lieder daher, denen die Sängerin und Songwriterin in jeder Zeile eine unaufgeregte Sinnlichkeit verleiht. Produktionen wie „Tanz allein“ (2025) bewegen sich stilistisch im Zwielicht von Post-Punk und NNDW, verhandeln aber auch den Zwiespalt von Isolation und Freiheit im postmodernen Zoomer-Alltag. Ist das existenzielle Gegenwartslyrik im Wave-Gewand oder hoffnungslose Romantik für den letzten Tanz im Morgengrauen? Vielleicht beides. Vielleicht entwirft MEDUΣA mit ihrem jüngsten Output „Wenn du liebst“ (2026) aber auch den Soundtrack einer Zeit, die weder in der verklärten Vergangenheit noch in der zerrütteten Zukunft geeignete Referenzpunkte finden kann. Stattdessen bleibt sie im Hier und Jetzt, weil das alles ist, was gerade zählt. Unbedingt live erleben.

