
Mira Taylor
Egal was passiert, egal was gewonnen oder verbockt wurde: es ist verdammt gut, ein Mensch zu sein. Mit dieser kompromisslos lebensbejahenden Message betritt Mira Taylor vor ein paar Jahren die österreichische Musiklandschaft und sorgt prompt für verdrehte Köpfe. Songs á la „Putting On A Show“ (2023) oder „Charlotte“ (2025) sind einerseits wundervoll eingängige Pop-Perlen mit dem Charme einer unbedarften jungen Songwriterin. Andererseits zeugen die in Liedgut übersetzten Tagebucheinträge auch von einer gewissen Melancholie und Nachdenklichkeit, die Mira Taylor seit jeher nicht als Schwäche, sondern eigenwillige Stärke begreift: „Auch meine Lehrerin hat mich oft gefragt, warum ich immer weine – aber das ist einfach, wie ich bin“, erinnert sich die selbstbewusste Künstlerin in einem Interview. Vermutlich ist ihre Debüt-EP „Should've Kept It To Myself“ (2023) auch deshalb emotional nahbar wie ein tröstendes Gespräch mit einer guten Freundin und musikalisch irgendwo zwischen Adele und Taylor Swift angesiedelt – ein sweet spot, der schwer zu treffen ist. Bravourös gelingt ihr dieser bittersüße Balance-Akt auch mit den neuen Singles „Paris“ und „Little Me“ (2026), die ebenso ein Plädoyer für Verletzlichkeit und Echtheit sind wie fürs unbedingte Menschsein.

