
Muff Potter
Schwierige Zeiten schaffen starke Menschen – und weil das so ist, waren Muff Potter in ihrer nunmehr dreißigjährigen Geschichte immer auch ein Abbild der Ära, durch die sie gingen. Prägten sie in der Frühphase der ausgehenden Neunziger noch mit Alben vom Kaliber „Schrei wenn du brennst“ (1997) deutschen Punk-Rock wie kaum eine andere Kombo, ließen sie ihrer Musik in den Jahren darauf sehr bewusst mehr Indie- und Pop-Elemente angedeihen und verewigten sich mit „Gute Aussicht“ (2009) als eine der wichtigsten Bands seit dem Mauerfall. Dann war Schluss. Die 2010er skippen Muff Potter weitgehend und feiern zunächst 2019 mit einer komplett ausverkauften Reunion-Tour und anschließend 2022 mit dem Album „Bei aller Liebe“ ihre Rückkehr. Klar ist schnell: Immer noch vereinen die vier Punk-Barden einen krachenden Gitarrensound mit ebenso poetischen wie provokanten Texten und zeigen auf die Fettflecken allzu weißer Hemden. Das Instrumentarium ist unverändert, die Palette jedoch zwischenzeitig beachtlich gewachsen. Stilistisch weit offen, tanzen Muff Potter auf ihrem neuen Album „Klepto“ (2026) genüsslich zwischen den Stühlen, bringen den Müll raus und verpassen deutschem Indie-Rock abermals die nötige Jungzellenkur. Höchste Zeit also, das lebendig und in Farbe auf der Bühne zu sehen.

