
The Orchestra (For Now)
Kaum ein Venue auf diesem Planeten hat die zeitgenössische Rockmusik in den letzten Jahren so nachhaltig geprägt, wie die Windmill im Süden Londons. Ob black midi, Squid, Shame oder Black Country, New Road: Hier wird das klassische Bandsetup aufgebrochen und in ungeahnte Bahnen gelenkt. The Orchestra (For Now) darf dabei vielleicht als das interessanteste neue Projekt dieser Szene gelten, das an der delikaten Schnittstelle von Nostalgie und Futurismus operiert. Mit dem EP-Duo „Plan 75“ und „Plan 76“ (2025) hat das siebenköpfige Ensemble quasi aus dem Stegreif einen irrwitzig atmosphärischen Mix aus Art Rock und Kammermusik, 70er-Prog und Post-Hardcore, Indie und Konzeptarbeit entworfen, produziert und perfektioniert. Von BBC 6 über Quietus bis Clash Music überschlagen sich seither die begeisterten Kritiken – und das völlig zu Recht. Die kompositorische Dramaturgie der Stücke, die Komplexität der Arrangements und zugleich ihre charmante Eingängigkeit kennt im derzeitigen Musikgeschehen des UK keine Entsprechung. The Orchestra (For Now) haben geschafft, was Kulturpessimisten landauf landab kaum noch für möglich halten: menschliche, widersprüchliche, imperfekte, anrührende Musik mit Ecken und Kanten zu schreiben, ganz ohne künstliche Interferenz. Für den Moment.