Reeperbahn Festival International


Mittwoch, 19. Juni 2019, Rockwood Music Hall

→ 19:30-20:00 Yes We Mystic 
→ 20:05-20:35 ORI  
→ 20:40-21:20 Leoniden 
→ 21:25-21:55 Mira Lu Kovacs 
→ 22:00-22:40 Gurr 
→ 22:45-23:15 Renata Zeiguer 
→ 23:20-00:00 Surfbort 

→ Mit DJ Clint Choi (Guess Twice)

Yes We Mystic (CA)

Opulent und emotional war der Sound von Yes We Mystic schon auf dem Debüt „Forgiver“, das dem Quintett aus Winnipeg 2016 komplett in Eigenregie gelang. Kein Label hatte sie damals auf dem Schirm, was angesichts der schieren Qualität von Songs wie „No Harm“ oder „Odessa Steps“ verwundert. Drei Jahre später und bei DevilDuck gesigned, ist das zweite Album der Kanadier so gut wie fertig und läutet ein ambitioniertes Kunstprojekt ein. Um dem thematischen Rahmen von „Ten Seated Figures“ Nachdruck zu verleihen, der sich ums Vergessen und Lügen, ums Missverstandenwerden und Erinnern dreht, haben sich die Köpfe hinter dem Projekt etwas Besonderes ausgedacht. Eine Alternativ-Version der eigenen Band, bestehend aus fünf anderen Musikern, wird das Album ebenfalls performen, Interviews geben, auf Fotos zu sehen sein und so eine Art zweites Gesicht von Yes We Mystic in der Öffentlichkeit darstellen. Es geht also um Erinnerungen und falsche Erinnerungen, wie wir uns auf verschiedene Weise immer wieder einreden, was eigentlich ganz anders war.

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ORI (IL)

Ein Gespür für delikate Verquickungen unterschiedlichster Stile - von futuristischem R'n'B, über Ambient mit Pop-Appeal bis zu zart ziseliertem Neo-Soul - schien die Musik von Ori Alboher von Beginn an zu beseelen. Der in Jerusalem aufgewachsene, in Berlin künstlerisch aufgeblühte Multi-Instrumentalist bewies schon auf dem ersten Album „1986“, dass er sich für seinen anmutig reduzierten Eklektizismus nicht verbiegen muss. Die von Atmung und Vogelgezwitscher, von Xylophon und Gitarren getragene Sinnlichkeit in „There's No One Else“, der verwaschene Downtempo eines „Half Human“ oder dieses fragile Falsett in „Parachute“, umgarnt von sanften Piano-Klängen und sparsamer Elektronik: Das alles scheint dem Songwriter mit der vollendeten Hauchstimme ähnlich einer ganz natürliche Geistesregung aus Mund und Fingern zu strömen. Wie unaufgeregt er diese Kunst live beherrscht, hat er uns im März bereits auf dem SXSW in Texas und auf der MusExpo in L.A. gezeigt. Jetzt geht’s mit neuem Material seines bald erscheinenden dritten Albums über den großen Teich, wo sein Style schon Anklang bei Kendrick Lamar und Sounwave fand.

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Leoniden (DE)

Aus Kiel über Deutschlands Festivalbühnen hinaus in die Welt: Der kometenhafte Aufstieg der Leoniden ging in den letzten Jahren an kaum jemandem vorbei, der sich hierzulande irgendwie für Indie und Pop interessiert. Wie auch? Late Night Berlin, Bongo Boulevard, ARD Startrampe und ZDF Aspekte – kaum ein Medium, das den euphorischen Up-Beat-Rock des Quintetts nicht mit Freuden hofiert hat. Zurecht, wenn mensch am eigenen Leib erfährt, wie schnell diese Musik in emotionale Schmetterlingsschwärme hüllen kann. Was auf dem selftitled Debüt vor zwei Jahren begann, fand mit „Again“ 2018 seine gefeierte Fortsetzung und hatte bislang schon zwei ratzfatz ausverkaufte Tourneen zur Folge. Wo das enden soll, malen sich die Leoniden wohl selbst noch nicht aus. Musikalisch leben sie lieber im Moment, liefern aber gerade damit den Soundtrack für eine Generation, die in ziemlicher Aufbruchsstimmung ist: Künstlerisch, kulturell, politisch. Und weil aller guten Dinge drei sind, steht der abschließende Teil ihrer „Kids Will Unite“-Tour bereits in den Startlöchern. Der perfekte Zeitpunkt also, um für einen Abstecher nach New York die Gitarren einzupacken.


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Mira Lu Kovacs (AT)

Unter dem Namen Schmieds Puls veröffentlicht Mira Lu Kovacs schon seit Jahren brillante Werke im Genrenebel zwischen Chamber Folk, Songwriter-Indie und introspektivem Avant-Pop mit lyrischem Gewicht. Dass ihre vielseitige und zutiefst leidenschaftliche Musik kein Produkt für schnelllebiges virales Marketing ist, versteht sich anhand von Stücken wie „Play Dead“ oder „Run“ von selbst. Im Sound von Mira Lu Kovacs will man sich verlieren, ihren stilvoll durchdynamisierten Gesang in jeder Nuance begreifen und genießen. Wer geglaubt hat, die Palette von Singer-Songwritern mit Akustikgitarren sei bereits in allen Facetten ausgeschöpft, den belehrt die kompositorische Eigenständigkeit Kovacs' so eines Besseren. Ihre Qualitäten als Grenzgängerin zwischen den Genres, als Poetin, gefeit vor dem Prätentiösen, sind es auch, die ihre Eröffnung der Wiener Festwochen vor mehr als 60.000 Menschen zu einem denkwürdigen Erlebnis machten. Tritt diese Frau bei der New York Edition des Reeperbahn Festivals auf die Bühne, sind Gänsehautschauer und euphorisches Jauchzen quasi obligatorisch.

Unterstützt von Austrian Cultural Forum New York

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Gurr (DE)

Auf der Suche nach der perfekten Melange aus retro und modern haben sich Andreya Casablanca und Laura Lee bislang noch kein einziges Mal verrannt. Nicht auf dem vielfach gefeierten Debüt „In My Head“ aus dem Jahr 2016, und auch nicht auf der diesjährigen EP „She Says“, mit der das Duo spielerisch zwischen Jangle Pop und Indie Rock tanzt. Die beiden Berlinerinnen mögen es schlicht, kreieren aber mit diesem ganz eigenen Understatement unwahrscheinlich ansteckende Hooks und Vocals vom Schlage des wunderschön resignativen „Fake News“ oder dem merkwürdig melancholischen „She Says“. Wie sie für das Video von „Zu spät“ sogar Bela B. als Domian-Hommage engagieren konnten, wird wohl ihr kleines Geheimnis bleiben. Vielleicht aber auch gar nicht so überraschend, arbeiteten Gurr doch schon mit Dave Grohl und Eddie Argos zusammen, während sich Boy George bereits früh als Fan outete. Im März waren die beiden beim SXSW in Texas dabei, anschließend auf kurzer Clubtour in einigen deutschen Städten unterwegs. Zum Beginn der Sommer-Saison heißt der nächste Stop: Reeperbahn Festival, New York Edition.


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Renata Zeiguer (US)

Musikalisch sozialisiert wurde Renata Zeiguer mit klassischen Komponisten vom Kaliber eines Prokofiev oder Debussy, aber ebenso mit Jazz und den Tangos, die ihre Großmutter am Klavier spielte.  Auch deshalb erlernte sie schon mit sechs Jahren dieses Instrument, das ihre gesamte künstlerische Laufbahn maßgeblich beeinflussen sollte. Trotzdem sind Renatas Lieder weit entfernt vom generischen Piano-Pop, den man im Radio um die Ohren gehauen bekommt. Schon was die Tochter argentinischer und philippinischer Eltern auf ihrem Erstling „Old Ghost“ anstimmt, entzieht sich den gängigen Erwartungshaltungen. Eingängig und doch melodisch komplex und irgendwie gar nicht bieder; Indie ohne alles zu intellektualisieren; erst verträumt, dann unerwartet rhythmisch. Der Multi-Instrumentalistin ist ihre Liebe für brasilianischen Tropicalismo und amerikanische Jazz-Standards ebenso deutlich anzumerken, wie für die Beatles und die Indie-Szene Brooklyns. Das steckt an. Ganz gleich, ob sie befreundete Bands mit Geige, Keyboard und Stimme unterstützt, oder solo auftritt.

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Surfbort (US)

Keinen Bock mehr auf Opportunist*innen, die sich am Verfall der Gesellschaft laben? Surfbort geht’s wie vielen von uns, doch der Vierer aus Brooklyn hat mit seinem glorreich fuzzigen Garagen-Punk ein wirksames Gegenmittel gebraut. Dabei sind Garagen im bevölkerungsreichsten Distrikt New Yorks eher Mangelware. Volle Breitseite bekommt mensch hier aber den Geschwindigkeitsrausch des Spätkapitalismus ab, dem Surfbort Schreie der Verzweiflung ebenso wie nackte Kampfansagen entgegnen. Sängerin Dani Miller intoniert erst ekstatisch, dann zutiefst abgefuckt und bereit die Bühne in Brand zu stecken, auf der sie zuvor noch eine halb sexuelle, halb karikierende Performance in bester 80er-Manier zelebriert hat. Die gleiche texanische Punk-Szene, der auch Scratch Acid, The Dicks oder die Butthole Surfers entstiegen, war für Surfbort stilprägend. Kein Wunder also, dass die vier so authentisch klingen wie ein Zündapp-Kraftrad im Leerlauf und von Gibby Haynes ebenso wie Debbie Harry und Chris Stein von Blondie jetzt schon zu ihren liebsten Lieblingsbands gezählt werden. Ungezähmter klang Punk halt schon lange nicht mehr.

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