Das Darknet für Tickets


21. Sept. 2017 @ Schmidtchen (Klubhaus St. Pauli)

Speaker: Ursula Goebel (Head Of Communication, GEMA, Deutschland), Nicole Jacobsen (Managing Director, Tickets.de, Deutschland), Kiki Ressler (Managing Director, KKT - Kikis Kleiner Tourneeservice, Deutschland), Alex Richter (Managing Director, Four Artists , Deutschland) 

Moderator: Ivana Dragila (Journalist, Freelance, Deutschland)

Hier geht es zum Programm.

Kaum ein Thema hielt die internationale Live-Branche in den vergangenen Monaten und Jahren so sehr bei Atem wie das Thema Secondary Ticketing. Dabei wurde eines deutlich: niemand hat ein Problem damit, wenn Einzelpersonen, die es kurzfristig nicht mehr auf ein Konzert schaffen, ihr Ticket weiterverkaufen. Selbst die Schwartmarkt-Händler vor der Stadien, die sich etwas dazuverdienen wollen, sind nicht das Problem.

Beim Panel Das Darknet für Tickets ging es vielmehr um anonyme, gewerbliche Reseller, die mit technologischer Hilfe große Ticketkontingente aufkaufen und zu völlig überzogenen Preisen gewerblich weiterverkaufen. Auch Fälle, in denen Konzerveranstalter Tickets noch vor Vorverkaufsbeginn an den Zweitmarkt verkaufen, kamen zur Sprache.

Ursula Goebel (Head Of Communication, GEMA), Nicole Jacobsen (MD Tickets.de), Kiki Ressler (MD Kikis Kleiner Tourneeservice), Alex Richter (MD Four Artists) und Dr. Johannes Ulbricht (Justiziar bdv) beteiligten sich an der Diskussion, die von Ivana Dragila (Journalist) moderiert wurde.

Der Ticketzweitmarkt ist laut aktuellen Schätzungen weltweit jährlich zwischen 8 und 9 Milliarden US-Dollar wert, Tendenz steigend. Wie konnte es soweit kommen?

Man habe sich von einem Schwarzmarkt zu einem professionellen Marktplatz entwickelt, der von großen Firmen unterstützt werde, so Ressler.

Der Veranstalter erklärte weshalb es „völlig absurd“ sei, anzunehmen, der Mark würde sich von selbst regeln. Die wäre nur dann der Fall, wenn Veranstalter stets den höchstmöglichen Ticketpreis verlangen würden. Gerade wenn man mit deutschen Künstlern arbeite, stelle man sich jedoch nicht die Frage „wie viel kann ich maximal verlangen, sondern was ist für unsere Fans auch noch sozial verträglich.“

Er erinnerte sich daran, dass Tickets für die letzte Toten Hosen-Tournee auf Viagogo gelandet seien, noch bevor der offizielle Vorverkauf überhaupt begonnen habe. Dies liegt daran, dass einige der Zweithändler auf Spekulationsverkäufe setzen, also einfach damit rechnen, das mit Sicherheit Tickets auf ihren Seiten landen werden.

Viagogo sei der in Deutschland am aggressivsten operierende Reseller und Ressler warnte davor, sich vor dem offiziellen Auftreten dieser Seiten nicht täuschen zu lassen. „Ein Kunde hat keinerlei Garantie dort wirklich auch ein gültiges Ticket zu bekommen.“

Dies liege auch daran, dass zusätzlich zu den Spekulationsverkäufen auch Tickets auf dem Zweitmarkt landeten, die gefälscht seien oder mit geklauten Kreditkartendaten erworben wurden, so Jacobsen.

Überteuerte Tickets führten dazu, dass Fans weniger Geld für weitere Konzerte zur Verfügung hätten. Dies schade dem gesamten Markt, vor allem den kleinen Clubs.

Jacobsen setze vor allem auf Aufklärung der Fans und personalisierte Tickets, auf denen sich der Name des Ticketbesitzer befinden müsse. Zudem lasse ihr Unternehmen gewerblich weiterverkaufte Tickets in Absprache mit dem Veranstalter sperren, was regelmäßig darin resultiere, dass Konzertbesucher am Eingang abgewiesen würden.

Richter wies auf den Mehraufwand hin, den personalisierte Tickets verursachten. Diese Kosten blieben beim Veranstalter hängen. Sein Unternehmen könne sich das auch angesichts der angestiegenen Kosten in allen Bereichen gar nicht leisten, die Man-Power aufzubringen, um personalisierte Tickets umsetzen zu können.

Alle Panellisten waren der Meinung, dass der Gesetzgeber gefordert sei, den Weiterverkauf von Tickets strafrechtlich zu verbieten. Woraufhin sich bdv-Justiziar Ulbricht aus dem Publikum meldete und begründete, weshalb er eine strafrechtliche Verfolgung des Ticket-Zweitmarkts nicht für sinnvoll hielt.

Zum einen wirke es stets wie ein Placebo, Dinge illegal zu machen. Die wirklichen Verbrecher, diejenigen, die im großen Stil arbeiten, fänden auch so einen Weg. Man laufe vielmehr Gefahr, diejenigen unter Strafverdacht zu stellen, die VIP-Tickets oder Reise-Bundles verkauften und dadurch unter Verdacht gerieten, überteuerte Tickets anzubieten.

Effektiver sei es, den Haftungsausschluss für E-Commerce-Plattformen einzuschränken sowie Google in die Verantwortung zu ziehen. Das Unternehmen platziere Resale-Platformen nicht nur ganz oben in den Suchergebnissen, sondern schalte auch Werbung auf ihnen.

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