Kraftakt vs Marktmacht


21. Sept. 2017 @ Private Cinema (East Hotel)

Sprecher: Oliver Hoppe (Managing Director, Wizard Promotions Konzertagentur, Deutschland), Philipp Jacob-Pahl (Agent/Promoter, Landstreicher Booking, Deutschland), Ben Mitha (Managing Director, Karsten Jahnke Konzertdirektion, Deutschland), Katrin Wedemeyer (Managing Director, Mittendrin, Deutschland)

Moderator: Gideon Gottfried (Journalist, Pollstar, Deutschland)

Hier geht es zum Programm.

Ein bis zum Anschlag gefülltes East Cinema am Donnerstag morgen machte deutlich: das Thema Marktdominanz der Großkonzerne im Veranstaltungsgeschäft bewegt eine Menge Leute, die im Business tätig sind.

Die unabhängigen Veranstalter auf dem Panel, Philipp Jacob-Pahl (Promoter/Agent, Landstreicher Booking), Ben Mitha (MD Karsten Jahnke Konzertdirektion) und Katrin Wedemeyer (MD Mittendrin), waren sich einig: man müsse im aktuellen Geschäftklima, in dem durchaus aggressiv um Tourneen konkurriert werde, Nischen finden.

„Das heißt nicht, dass diese Nischen klein sein müssen,“ so Pahl, der darauf hinwies, dass der Kampf mit den Corporations vor allem im internationalen Geschäft bestehe, wenn man also internationale Künstler einkaufe, um sie in Deutschland zu touren.

Ebenfalls auf dem Panel saß Oliver Hoppe, MD der Wizard Promotions Konzertagentur, die seit einigen Jahren zur DEAG gehört. Als Teil eines Konzern sei man mit am Meisten von der Internationalisierung, der Kommerzialisierung sowie dem Markteintritt von Live Nation betroffen, da man um Künstler ähnlicher Größenordnung konkurriert

Dabei sind die Global Deals der Großkonzerne, die einen Künstler weltweit an diesen Konzern binden, eines der größten Probleme. „Es ist kein fairer Wettkampf mehr. Vorher ging’s darum, wer macht das attraktivste Offer mit den besten Nebenleistungen? Oder wer hat die beste Strategie? Jetzt hast du als Independent teilweise gar nicht mehr die Chance überhaupt ein Offer abzugeben,“ so Mitha.

Hinzu kommt, dass auch zahlreiche Künstler-Manager vertraglich für Live Nation arbeiten. Und die Company Policy besage, das automatisch mit Live Nation gearbeitet werden müsse. Und diese Manager sitzen natürlich nicht untätig herum, sondern nehmen kontinuierlich neue Acts unter Vertrag.

In Pahls Erfahrung übertrumpfe die persönliche Beziehung zum Künstler das Scheckbuch noch in vielen Fällen, dies sei allerdings in erster Linie bei inländischen Künstlern der Fall – weshalb diese sowohl bei Landstreicher Booking also auch bei Karsten Jahnke Priorität genießen.

Wedemeyer leidet als örtlicher Veranstalter besonders unter dem aggressiven Marktverhalten der Großen: „Wir haben in Norddeutschland einen relativ kleinen Markt. Es ist jedoch durchaus spürbar, dass die großen Konzerne auch in unseren Markt hineindrängen, sei es dass sie auf einmal auch in Kiel oder Flensburg veranstalten. Wir sind aber natürlich auch von Gebietsschutz-Klauseln betroffen.“

Festival-Veranstaltern legen Künstlern solche Klauseln auf, um zu verhindern, dass der Künstler im Zeitraum um das Festival herum in der Umgebung tourt bzw Festivals in der nähe spielt. Ziel ist es, den Act nicht tot zu spielen, sondern das Interesse aufrecht zu erhalten. Während diese Denkweise bei den Superstars vielleicht noch Sinn mache, sei eine Gebietsschutzklausel für kleinere Bands „Bullshit“ (Pahl).

Eine weitere Methode der Konzerne sei es Künstler von lokalen Veranstaltern abzuwerben, in dem sie ihnen Festival-Auftritte versprechen, aber nur, wenn sie auch die Tour bekämen. „Das ist natürlich ärgerlich. Wenn man jemanden im Club vor 150 Leuten von Anfang an mit aufgebaut hat, und irgendwann in die Arena möchte. Aber die Arena-Show macht dann halt Scorpio, weil die machen ja auch das Hurricane Festival und diverse andere,“ so Wedemeyer.

Die lokalen Veranstalter spielen in Deutschland dennoch nach wie vor eine wichtige Rolle, auch wenn diese immer flexibler sein und neue Geschäftsfelder erschließen müssen, um zu überleben. Letzteres wird jedoch auch von den Indies sowie der DEAG gefordert, um im aktuellen Wettbewerb bestehen zu können.

Hoffnung macht, dass die Großen zwar Experten im Stadion-Business sind, „aber sobald es in die 500er-Liga geht, kriegen sie es nicht mehr so gut hin wie der Independent Promoter in der gleichen Stadt oder im gleichen Land,“ so Pahl.

Mitha: “Die Marktgegebenheiten sind so. Entweder man will noch mitspielen und bleibt hungrig und findet neue Wege, oder man wird irgendwann entweder Teil eines Konzerns werden müssen oder komplett aus dem Markt gedrängt. Entweder man gibt Gas oder bleibt liegen!“

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