Music in the Middle East


21. Sept. 2017 @ Private Cinema (East Hotel)

Sprecher: Martin Goldschmidt (Chairman, Cooking Vinyl Group, Großbritannien), Yasmine Hamdan (Artist, Libanon), Shahin Najafi (Musician, Poet, Social Activist., Iran, Islam. Rep.), Walaa Sbait (Artist, 47SOUL, Palästinische Gebiete) 

Moderator: Christoph Twickel (Journalist, Moderator, Die Zeit / Spiegel Online / Byte FM / NDR Info, Deutschland)

Hier geht es zum Programm.

Die Einschränkungen für Musiker aus dem Mittleren Osten, die eine Karriere aufbauen möchten, sowie die mangelnde Infrastruktur in der Region formten die Grundlage für eine Diskussion zum Abschluss des zweiten Konferenztages beim Reeperbahn Festival.

Sämtliche Künstler auf dem Panel – Yasmine Hamdan (Lebanon), Shahin Najafi (Iran) and Walaa Sbait (Palestine) – haben ihren Geburtsort verlassen. Walaa macht heute Musik von London aus, da er dort bessere Chancen vorfinde, Yasmine lebt aus persönlichen Gründen in Frankreich und Shahin flüchtete nach Deutschland, um seine Zukunftsperspektive als Musiker zu verbessern.

Telegram sei ein Instant Messenger, der im Mittleren Osten genutzt werde, um Musik zu vertreiben, jedoch ohne auch nur einen einzigen Cent zu generieren, so Shahin, der sein Geld mit YouTube verdient. Yasmine hat sich mittlerweile ein organisiertes Geschäft aufgebaut: sie verdient ihren Lebensunterhalt mit dem Verkauf von Musik, Synch-Deals, Songwriting-Aufträgen für Filme sowie Tourneen. Es sei jedoch eine enorme Herausforderung, im Mittleren Osten aufzutreten sowie Leute zu finden, denen man vertrauen könne. „Es kann sich als totales Desaster entpuppen oder großartig funktionieren. Man braucht Glück.“

Die Vorstellung, dass Künstler die Rechte an ihrer Musik besitzen, sei in der arabischen Welt so gut wie nichtexistent, erklärte Walaa. Sobald ein Song viralen Erfolg habe, „gehört er nicht länger dir“, und er fügte hinzu: „Jeder kopiert ihn, lädt ihn herunter, erstellt ein Bootleg. Wir sind dafür Bekannt Kunst zu schätzen und gleichzeitig auch nicht. Es ist eine komplexe Beziehung. Das Konzept von Copyright, der Respekt für ein künstlerisches Werk sowie dafür zu zahlen ist nicht in der kollektiven Denkweise verankert.“

Martin Goldschmidt ist der Vorsitzende der Cooking Vinyl Group. Er gründete im vergangenen Jahr PMX, die Palestine Music Expo, um ein Bewusstsein für das kulturelle Erbe der Region zu erzeugen und lokale Künstler zu fördern. Bei der Erstausgabe Anfang des  Jahres beispielsweise fand ein Showcase statt, dass 18 Monate lang geplant und mit einer Crowdfunding-Kampagne unterstütz wurde.

Mehr als 4000 Menschen nahmen an den drei PMX-Tagen teil, Agenten aus Europa waren vor Ort, um Künstler für ihre Festivals zu buchen. Es sei nicht leicht gewesen, Künstler aus dem Westjordanland nach Schweden zu holen, die Erlaubnis erreicht einige von ihnen einen Tag vor Abflug. Die Veranstalter mussten zudem eine Garantie zahlen, mit der versichert wurde, dass die Künstler in ihre Heimat zurückkehren würden, sobald die Veranstaltung gelaufen sei. Es war Goldschmidt ein Anliegen, diese Einschränkung in der Bewegungsfreiheit zu adressieren. Alle Panellisten waren sich einig, das die ein großes Problem darstelle. Ein Palestinian Music Office, das im nächsten Jahr gegründet werden soll sofern der Finanzplan aufgeht, sollte Abhilfe schaffen.

Zurück

Filtern

{[{filter.countIds}]} Ergebnisse