Olaf Scholz: Future Frames For Content


21. Sept. 2017 @ Schmidt Theater (Saal)

Sprecher: Olaf Scholz (First Mayor and President of the Senate, Freie und Hansestadt Hamburg, DE)

Hier geht es zum Programm.

 

Hamburgs Bürgermeister Olaf Scholz wies gleich zu Beginn seines Vortrags darauf hin, dass man beim Reeperbahn Festival nicht nur Musikbranche, sondern auch die Kreativwirtschaft im Allgemeinen sowie die Digitalwirtschaft vorfinden könne. „Daran führt kein Weg vorbei, weil die Themen und Anliegen viel zu verzahnt sind, als dass man sie noch getrennt diskutieren könnte“, so der Politiker.

Sein Vortrag trug den Titel „Future Frames for Content“. Im Fokus stand die Frage nach den Rahmenbedingungen für Geschäftsmodelle, die zwischen Nutzer und Inhalt eine entscheidende Stellung einnehmen, beispielsweise YouTube.

„Wenn wir heute die Frage guter Future Frames for Content diskutieren, sollten wir berücksichtigen, dass die zukünftigen Rahmenbedingungen für beide Seiten funktionieren müssen: für die Content-Produzenten und  für die Digitalwirtschaft“, sagte Scholz.

Er betonte, dass sich Kultur- und Medienschaffende auf der einen sowie die Digitalwirtschaft auf der anderen Seite „tief in die Augen“ schauen und ehrlich sein müssten bei der Beantwortung der Frage, ob diejenigen, die Inhalte schaffen, auch angemessen vergütet werden.

Scholz: „Faire Rahmenbedingungen sind nicht nur eine Frage wirtschaftlicher Vernunft. Sie sind eine Voraussetzung, damit Inhalte auch in Zukunft in Freiheit entstehen und ihren Weg zum Leser, Hörer, Betrachter, Nutzer finden können. Das ist existenziell für die Mündigkeit der Bürger und die Diskursfähigkeit unserer Gesellschaft.“

Da Politik niemals mit der Geschwindigkeit technologischer Innovation mithalten könne, müssten die Rahmenbedingungen der digitalen Welt auf Grundprinzipien fußen. Während auf der einen Seite Rahmenbedingungen Innovationskraft nicht ausbremsen dürften, könne es auf der anderen Seite auch nicht sein, dass neue Geschäftsmodelle keinerlei Regulierungen unterlägen. Entwicklungen wie Virtual Reality, Blockchain oder sprachgesteuerte Digitale Assistenten würden neue Fragestellungen aufwerfen.

Scholz hob insbesondere zwei Herausforderungen hervor. Zum einen die Lücke in der Wertschöpfungskette der Musikbranche, welche dazu führt, dass Urheber kaum und teilweise gar nicht vergütet werden, und zum anderen die Frage, wie man sicher stellen könne, dass Information sich auch künftig frei und vielfältig verbreiten und frei entstehen könne.

Wenn Zwischenhändler wie Facebook Informationen für ihre Nutzer nach Relevanz selektierten, müssten die Kriterien für Relevanz transparent sein. Und Plattformen wie YouTube, die fremde, nicht selbst-kuratierte, Inhalte anböten, sollten künftig Lizenzen erwerben müssen, „und zwar vor der Nutzung.“

Um diese Dinge zu gewährleisten müsse Politik weg vom Klein-Klein und hin zu einem medienpolitischen Gesamtkonzept. „Transparenz für die Nutzer, inhaltliche Vielfalt, faire Wettbewerbsbedingungen und angemessene Bezahlung für alle, die zur Wertschöpfung beitragen; Freiraum für neue Ideen und die Entwicklung von Innovationen – all das bedenken wir“, so Scholz, der mit den Worten schloss, dass Inhalte mehr seien, als „Füllmasse für mediale Behälter.“

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