Geopolitics Meets the Music Market: Rising Markets, Shifting Power?
China overtook Germany, Latin America grew 17 percent. A conversation on geopolitics, platform power and who actually profits when music markets in the Global Majority grow. With Thomas Fischermann (DIE ZEIT), Christine Semba (WOMEX) and Anna Dushime.
Wird die Landkarte des globalen Musikmarktes neu gezeichnet? Laut dem „IFPI Global Music Report 2026“ hat China Deutschland vom vierten Platz verdrängt, Brasilien hat Kanada überholt und liegt nun auf Platz acht, Künstler*innen vom afrikanischen Kontinent halten geballt Einzug in die weltweiten Charts, und Lateinamerika verzeichnete ein Wachstum von mehr als 17 Prozent, rasanter als jede andere Region der Welt.
Die bequeme Interpretation lautet, dass bestimmte Elemente der Geopolitik nun endlich auch in der Musik Einzug erhalten haben. Wie Daniel Marwecki, Autor und Professor an der Universität Hongkong, es formuliert: Die jahrhundertelange Vorherrschaft des Westens ist zu Ende gegangen, und das neue Selbstbewusstsein der „Global Majority“ zeigt sich in Ländern wie China, Indien, Südafrika, Brasilien, Indonesien, Saudi-Arabien und den Vereinigten Arabischen Emiraten, die es nicht länger hinnehmen, in einer von anderen geprägten Weltordnung nur eine Nebenrolle zu spielen.
Gleichzeitig stellt sich die Frage, ob Streaming-Plattformen und soziale Medien bestehende strukturelle Ungleichgewichte auf dem globalen Musikmarkt abgebaut haben und es dadurch lokalen Märkten ermöglichen, ihr eigenes wirtschaftliches Potenzial auszuschöpfen. Doch die Infrastruktur, über die dieses Potenzial monetarisiert wird, befindet sich nach wie vor in den Händen weniger, und diese Hände stammen zunehmend nicht mehr aus dem Westen. Ein Markt kann in der Rangliste aufsteigen, während die Eigentumsverhältnisse genau so bleiben wie zuvor.
Diese Session fragt: Inwiefern hängen geopolitische Entwicklungen, Verschiebungen der Wirtschaftsmacht und kulturelle Selbstbehauptung mit dem Wachstum der Musik- und Kreativwirtschaft zusammen? Wer profitiert vom Wertzuwachs, wenn ein Markt wächst? Welche Auswirkungen hat dies auf die Strategien "westlicher" Labels, Plattformen und Künstler*innen, und wie verändert sich der globale Sound, wenn die „Global Majority“ sowohl in wirtschaftlicher als auch in kultureller Hinsicht an Selbstbewusstsein gewinnt?

