No Straight Lines: LIE NING in Con­ver­sa­ti­on with Plan­ning­to­rock

Two artists on queering the voice, composing futures instead of mirroring the present, and what safety means for queer musicians at a moment when visibility carries a price.

Session
LocationEast Hotel / C2
Interview
Culture & Society
EN
Dieser Termin liegt in der Vergangenheit

Zwei Artists, die sich sonst auf der Bühne begegnen würden, setzen sich hier für ein Gespräch zusammen. Ihr erster gemeinsamer Nenner: die Stimme. Planningtorock arbeitet seit über zwei Jahrzehnten daran, Sound zu „queeren“ – verschiebt Tonhöhen und Formanten so lange, bis sich die Stimme keinen starren, normativen Kategorien mehr zuordnen lässt.

LIE NING nähert sich derselben Frage aus einer anderen Richtung und stellt die eigene weiche, samtige Stimme kompromisslos in den Mittelpunkt. LIE NING gehört zu den prägenden Stimmen einer jungen Generation, die sich durch einen Mix aus Musik, Fashion und visueller Sprache eine ganz eigene Ästhetik erschaffen hat.

Wie klingt die queere Zukunft – und wer komponiert sie gerade? Wo genau passiert dieses „Queering“ von Sound, und wo schafft Technologie Raum, um sich neu zu erfinden? Was passiert in dem Moment, in dem eine rein ästhetische Entscheidung plötzlich als Statement zur eigenen Identität gelesen wird – ob man das nun wollte oder nicht? Und hat queere Musik überhaupt einen gemeinsamen Sound, oder ist sie gerade deshalb queer, weil sie sich jeder Normierung widersetzt?

Zwischen den beiden liegen zwanzig Jahre Branchenerfahrung. Was hat sich verändert, seit Planningtorock angefangen hat – und was ist erschreckenderweise gleich geblieben? Die Musikindustrie versucht zwar mittlerweile, queere Sichtbarkeit zu feiern und Line-ups diverser zu gestalten. Viel schwerer tut sie sich allerdings mit der Frage, wer eigentlich entscheidet, welche queeren Geschichten sich gut vermarkten lassen. Wo endet echte Offenheit und wo beginnt Vereinnahmung, wenn man auf der einen Seite gebraucht und auf der anderen Seite eingeschränkt wird?

Dahinter steht auch ein hochaktuelles, politisch drängendes Thema: Die queerfeindlichen Übergriffe in Deutschland haben einen Höchststand erreicht, zuletzt erst wieder beim Berliner CSD. Sicherheit ist längst kein abstraktes Konzept mehr, sondern betrifft den Club, den Tourbus, das Festivalgelände und das Büro. Welche Netzwerke und Allies haben die beiden im Laufe ihrer Karrieren unterstützt? Welcher strukturelle Support fehlt queeren und FLINTA* Artists – weit über die reine Sichtbarkeit auf der Bühne hinaus? Und welche Verantwortung tragen all jene, die in dieser Session im Publikum sitzen und am Montag wieder die Branchen-Entscheidungen treffen?

LIE NING übernimmt die Moderation und hat nicht vor, dabei neutral zu bleiben.