Awa­re­ness Glos­sar

Hier findet ihr Hintergrundwissen zu einigen, der im Leitfaden erwähnten Begriffen und Themen:

Ableismus 

Der Begriff Ableismus ist dem englischen Wort für »Fähigkeit« entlehnt und stammt aus der US-amerikanischen Behindertenbewegung. Er bezeichnet die Bewertung von Menschen mit Behinderungen anhand ihrer (zugeschriebenen) körperlichen und geistigen Fähigkeiten. Damit verbunden ist eine Reduktion des Menschen allein auf seine Beeinträchtigung. Die Bewertung kann negativ durch Abwertung erfolgen, oder vermeintlich positiv durch Aufwertung. Der Bewertung geht voraus, dass es so etwas wie eine Vorstellung eines körperlichen und geistigen Normalzustandes gibt, anhand dessen Behinderung als Abweichung bewertet werden kann. 

Wenn Menschen mit Behinderungen aufgrund dieser Bewertung ungleich behandelt oder benachteiligt werden, ist das Diskriminierung.  

 

BIPoC 

Black, Indigenous, and People of Color – abgekürzt BIPoC – ist eine Selbstbezeichnung von und für Menschen mit Rassismuserfahrungen. Der Begriff markiert eine politische gesellschaftliche Position und versteht sich als emanzipatorisch und solidarisch. Er positioniert sich gegen Spaltungsversuche durch Rassismus und Kulturalisierung sowie gegen diskriminierende Fremdbezeichnungen durch die weiße Mehrheitsgesellschaft. Black, Indigenous und People of Color machen jeweils unterschiedlichen 

Diskriminierungserfahrungen und werden daher auch getrennt gekennzeichnet. Wenn Personen nur über eine bestimmte Personengruppe dieser Gruppe sprechen, sollten auch nur die genannt werden, über die gesprochen wird. Die Bezeichnung PoC schließt alle Menschen mit ein, die aufgrund von Hautfarbe, Sprache, Namen, Herkunft und/ oder Religion markiert und rassistisch und/ oder intersektional diskriminiert werden. 

Quelle: https://awareness-akademie.de/glossar/ 

 

FLINTA* 

FLINTA* ist eine Abkürzung, die ausdrücken soll, wer in bestimmten Räumen oder zu bestimmten Veranstaltungen willkommen ist. Sie steht für Frauen, Lesben, Inter 

Menschen, Nichtbinäre Menschen, Trans Menschen und Agender Menschen. Die 

Abkürzung existiert in verschiedenen Varianten. Das Gendersternchen steht als Offenheitssymbol für alle weiteren Gender Identitäten, die nicht im Akronym verwendet werden.  

Problematisch ist diese Abkürzung, wenn sie gleichbedeutend mit ‘Frauen’ bzw. ‘alle Menschen, die ich als Frauen wahrnehmen’ verwendet werden und so Menschen fälschlicherweise ein- und ausgeschlossen werden. 

Quelle: https://queer-lexikon.net/2020/05/30/flint/ 

 

Queer 

Queer ist ein Überbegriff für Menschen, die sich außerhalb der geschlechtlichen und sexuellen Normen bewegen und bezeichnet zudem eine politische Haltung, die auch die vorherrschenden Normen in der lesbischen, schwulen und bisexuellen Szene hinterfragt. Queer beruht auf den Grundannahmen, dass Identitäten nicht starr, sondern veränderbar sind und dass Sexualität und Geschlecht nicht binär (zweigeteilt) sind. 

Queer ist aber auch eine Theorierichtung und ein Wissenschaftszweig, in dem Schubladendenken aufgebrochen wird, verschiedene Unterdrückungsformen miteinander verknüpft werden sollen und insbesondere Sexualität als ein Ort der Unterdrückung untersucht wird. 

Queer beschreibt nicht nur Personen, Beziehungen und Communities, sondern auch Handlungen: Personen »queeren« etwas, wenn sie sich der Normalität und der normativen Vorstellung von Identität, Verhalten, Aussehen und Beziehungen widersetzen. 

Queere Politik kritisiert, dass die Gleichstellungspolitik viele außen vorlässt, beispielsweise den Fokus der 

Schwulen- und Lesbenbewegung auf Eheschließung, Konsumkultur und Militärdienst. Stattdessen fokussiert sie Themen von queeren Gruppen, die am stärksten →marginalisiert sind und im Alltagsleben von Gewalt, Suizid, Armut und Wohnungslosigkeit betroffen sind. 

Quelle: https://awareness-akademie.de/glossar/ 

 

Rassismus 

Rassismus bedeutet die Diskriminierung, Abwertung und Ausgrenzung strukturell benachteiligter Gruppen oder einzelner Menschen aufgrund tatsächlicher oder zugeschriebener körperlicher oder kultureller Merkmale (z.B. Hautfarbe, Herkunft, Sprache, Religion). Durch Rassismus ist keine gleichberechtigte Teilhabe der Betroffenen an der Gesellschaft möglich. Die rassistische Herabwürdigung von BIPoC kann zu physischer und psychischer Gewalt gegen sie führen oder sogar als vermeintliche Rechtfertigung für Tötungen und Völkermorde (»Ethnische Säuberungen«) genutzt werden. 

Neben diesen offensiv brutalen Formen des Rassismus ist subtiler Alltagsrassismus (insbesondere auch in Form von →Mikroaggressionen) die tägliche Reproduktion eines rassistischen Systems. Dieser besteht in stetiger Erinnerung daran, dass die betroffene Person anders ist und nicht »dazu« gehört. Dies muss nicht mit Vorsatz der diskriminierenden Person geschehen, ist aber dennoch ausgrenzend, verletzend, frustrierend und bieten den Nährboden für extremere Formen von Rassismus. Es gibt viele Formen von Rassismus. Unterschieden wird beispielsweise zwischen anti-Schwarzer, anti-muslimischem, anti-asiatischem Rassismus, Antisemitismus und rassistischer Diskriminierung von Rom:nja und Sint:ezzi. Rassismus ist eine soziale 

Ausschließungspraxis, die in verschiedenen historischen Kontexten unterschiedlich in Erscheinung tritt. Er hierarchisiert, differenziert und entwertet Menschen, indem er ihnen konstruierte, meist negative gruppenspezifische Merkmale und Eigenschaften zuschreibt. 

Quelle: https://awareness-akademie.de/glossar/ 

 

Sexismus 

Sexismus ist ein gesellschaftlicher Mechanismus, der auf der Annahme von genau zwei Geschlechtern und den ihnen zugeschriebenen Eigenschaften beruht. Die daraus entstehenden Vorurteile benachteiligen weiblich gelesene Personen und Personen, die nicht den gängigen Rollenbildern entsprechen. Sexismus äußert sich in vielen Formen. Angefangen bei Catcalling (verbalen Übergriffen im öffentlichen Raum) über sexuelle Belästigung bis hin zu schweren körperlichen Grenzüberschreitungen (z.B. Angrapschen, Vergewaltigung). 

Im Widerspruch zu einem häufig rassistisch aufgeladenen gesellschaftlichen Täterbild des übergriffigen Fremden finden die meisten Fälle sexualisierter Gewalt zwischen Personen statt, die sich zumindest flüchtig kennen. 

Darüber hinaus spielt Sexismus auch eine Rolle in der Musikbranche. Zum Beispiel bei der Zusammensetzung vieler Festival Line-ups, die immer noch überwiegend von männlichen Bands geprägt sind, dabei wer die Entscheidungsmacht in Unternehmen der Musikbranche innehat und bei Sexismus am Arbeitsplatz. 

 

Sexualisierte Gewalt im Feier-Kontext und die Rolle von Rauschmitteln 

Rausch durch Alkohol und andere Substanzen haben unterschiedliche Wirkungen auf unterschiedliche Personen. In jedem Fall verändern sie Wahrnehmung und Verhalten. Das kann dazu führen, dass die eigenen Grenzen oder die Grenzen Anderer nicht mehr richtig eingeschätzt werden. Dadurch kann es zu psychischen und physischen Verletzungen kommen – an die sich manchmal nicht mehr richtig erinnert werden kann, die aber Betroffenen manchmal auch erst nach Abflachen des Rausches richtig ins Bewusstsein rücken. Berauschte weiblich gelesene Personen werden dabei häufig als sexuell verfügbar gesehen. Täter wiederum nutzen häufig den eigenen Rausch als eine Entschuldigung (“Du weißt ja, wie er ist, wenn er betrunken ist.”) 

Der überwältigende Anteil von Tätern in nicht alltäglichen Situationen sind dabei Opportunisten - sie sind also Menschen, die sich grundsätzlich an soziale Regeln halten, diese aber brechen, wenn sie davon ausgehen, dass sie keine Strafe dafür bekommen werden. Zudem orientiert sich ihr Verhalten oftmals an dem, was an einem bestimmten Ort ‘gerade noch’ als legitim betrachtet wird. Deshalb ist es so wichtig, dass wir eine Umgebung schaffen, in der jegliche Art an Grenzüberschreitungen nicht toleriert werden, in der wir aufeinander Acht geben und füreinander da sind.  

Weiterführende Links: 
https://www.initiative-awareness.de/informieren/ressourcen
https://awareness-akademie.de/awa-ressourcen/ 

Grundprinzipien von Awareness

Konsens 

Konsens heißt Zustimmung und fordert, sich diese explizit einzuholen. Das ist nicht immer leicht, aber man kann es üben. Und es fühlt sich verdammt gut an, wenn die andere Person ihre Zustimmung ausspricht! 

Nur “ja” heißt “ja”! Das bedeutet auch: “Vielleicht” heißt nicht “ja”. Nichts sagen heißt nicht 

“ja”. 

Wenn eine Person aufgrund von Substanzkonsum nicht mehr aktiv zustimmen kann, kann kein konsensueller sexueller Kontakt stattfinden. 

 

Betroffenenzentriertheit 

Awareness rückt die Bedürfnisse und Forderungen von betroffenen Personen in den Fokus. Das Ziel von Awareness. Arbeit ist es, dass Betroffene sich wieder sicherer fühlen können und den Ort nicht verlassen müssen. Dazu werden Ressourcen zur Verfügung gestellt, die dies möglich machen: Personen mit Zeit, sich zu kümmern, Rückzugsorte, Verpflegung und weiteres. Es kann der Wunsch der betroffenen Person sein, dass eine gewaltausübende Person den Ort verlassen muss, damit sie sich wieder sicherer fühlen kann. Dabei sollte es aber allein um die Erfüllung der Wünsche der Betroffenen gehen, nicht darum, einen Schuldigen auszumachen oder eine vermeintliche Wahrheit zu finden. 

 

Definitionsmacht 

Jede Person entscheidet selbst über sich, ihren Körper und ihre Geschichte. Jede Person entscheidet auch über die eigene Geschlechtsidentität und ihre Pronomen. Sollte diese Entscheidungsmacht über die eigene Person einmal durch eine Grenzüberschreitung, Missgendern, diskriminierender Sprache oder anderen Vorfällen weggenommen werden, ist das Ziel von Awareness-Arbeit, dass die Person diese wiedererlangt. Definitionsmacht bedeutet auch, dass wir die Geschichten von Betroffenen nicht infrage stellen und ihre Begriffe und Forderungen annehmen. 

 

Parteilichkeit 

Parteilichkeit bedeutet explizit nicht, zu versuchen, eine neutrale Position zwischen Betroffenen und ausübender Person einzunehmen und dazwischen zu vermitteln. Denn bei Grenzüberschreitungen und Übergriffen steht oft Aussage gegen Aussage – meist zum Nachteil der betroffenen Person. Wenn wir eine gesellschaftliche Veränderung anstoßen wollen, müssen wir lernen, parteilich mit den Betroffenen zu sein: Ihnen zuhören, Glauben schenken und sie dabei unterstützen, ihre Forderungen durchzusetzen. Auch wenn das zum Nachteil einer befreundeten Person ist. Denn im Zweifel bedeutet die Missachtung der Forderungen einer betroffenen Person ein lebenslanges Trauma und das dauerhafte Verlassen eines Ortes, der nicht mehr als sicher wahrgenommen werden kann. Für eine zu Unrecht beschuldigte Person passiert in der Regel nichts Schlimmeres, als dass sie einen Ort (vorübergehend) verlassen muss. 

 

Vertraulichkeit 

Leider werden Betroffene von Grenzüberschreitungen häufig gesellschaftlich stigmatisiert und erfahren neben dem Erlebten im Nachhinein weitere Ausgrenzung, Ablehnung oder Diskriminierung. Deswegen behandeln wir sensible Vorfälle immer vertraulich und sprechen darüber mit Dritten nur nach Absprache mit den Betroffenen. 

 

Kollektive Verantwortungsübernahme –- Wo kommt Awareness her? 

Die Grundprinzipien von Awareness sind abgeleitet aus der Idee der Community Accountability (auf Deutsch: Kollektive Verantwortungsübernahme). Diese wurde als Gegenmodell zu staatlichen Sicherheitsinstitutionen wie der Polizei von Schwarzen Communities in den USA entwickelt. Community Accountability fordert die kollektive Verantwortungsübernahme von allen Mitgliedern einer Gemeinschaft für alle Grenzüberschreitungen, die innerhalb dieser passieren. Denn die Gemeinschaft ist verantwortlich für das gesellschaftliche Klima, das sie schafft. Dadurch übernehmen die 

Mitglieder einer Gemeinschaft auch Verantwortung dafür, dass Menschen, denen Grenzüberschreitungen widerfahren sind, sich wieder sicher fühlen können.