
Clara Mann
Ein Leben lang auf einem Herbstspaziergang, die umarmende Indifferenz der Natur spüren und trotzdem ein Gefühl von Geborgenheit erheischen: in der Musik von Clara Mann vermählen sich die unscheinbaren Widersprüche zu fragilen Wahrheiten über die Welt und uns. Das Debütalbum „Rift“ (2025) kommt letztes Jahr für Fans reduzierter zeitgenössischer Folkmusik gänzlich überraschend und hinterlässt die meisten ebenso begeistert wie entgeistert. Nur mit Stimme und Gitarre, vereinzelt mal mit Klavier oder Streichern, entwickelt die Songwriterin aus Bristol eine poetische Tiefe in ihren Liedern, die im denkbar besten Sinne völlig aus der Zeit gefallen zu sein scheint. Schon auf den EPs „Consolations“ (2021) und „Stay Open“ (2022) klingt sie schließlich wie eine längst vergessene Folk-Ikone der frühen 70er, die mit ihren karg-verwunschenen Kompositionen direkt ins Herz geht und dort gleich einer nicht erwiderten Liebeserklärung für lange Zeit verweilt. Zutiefst melancholisch und fragil klingt das, aber mindestens ebenso schön und ehrlich. Live auf der Bühne eine Erfahrung, die zweifellos seelische Spuren hinterlässt.

