
Jesper Munk
Irgendwie unterfordert, aber auch unterschätzt startet Jesper Munk seine Laufbahn als Bassist und Backgroundsänger bei einer Schulband – das war kurz vor seinem Abitur. Gitarrespielen bringt er sich damals selber bei, mit der Stimme wird er geboren und gesegnet. Die Schule hinter sich, liegt der erste Langspieler vor ihm und wird prompt ein Paukenschlag für den Deutsch-Dänen, der nach „For In My Way It Lies“ (2013) spätestens aber mit dem Zweitwerk „Claim“ (2015) den Titel als Deutschlands bester Crooner von den Kritikern verliehen bekommt und zu Recht für sich reklamieren kann. Dabei ist der kometenhafte Aufstieg Munks weniger durch den Social-Media-Katalysator zu verstehen, sondern seiner eigentümlichen Stimmgewalt geschuldet. Das Repertoire des unangepassten Singer-Songwriters reicht aus dem Stegreif von sehnsüchtigen Chansons über Blues-Standards bis zu sinnlichem Neo-Soul und rauchigem Bar-Jazz, den er etwa auf seinem vierten Album „Taped Heart Sounds“ (2022) mit einer wohldosierten Portion Pop-Appeal auflockert. Sonore Stimmeinlagen und getragene Gitarrenchords, traumartige Ferne und die Intimität von Tagebucheinträgen vermählt Munk mit „Yesterdaze“ (2024) vor zwei Jahren dann noch einmal so virtuos wie nie zuvor. Gefunden hat er sich und seinen Stil, als er aufhörte zu suchen. Live ein unvergessliches Erlebnis.

