
Lowertown
Oft liegt ein besonderer künstlerischer Reiz darin, mit möglichst wenig möglichst viel zu erreichen. Gerade im Indie-Bereich streben viele danach, doch nur wenige erreichen im gängigen Bandsetup aus Gitarren, Drums und Vocals eine ähnliche klangliche und narrative Tiefe wie Lowertown. Auf dem Papier kommen hier Indie und Folk, Slacker Rock und Bedroom Pop auf lustvoll surreale Weise zusammen – doch im Ohr gerät das Ganze zu viel mehr als der Summe der genretheoretischen Teile. Denn das Duo aus Atlanta kreiert einen höchst eigenwilligen Sound, der introspektive Lyrik mit lo-fi Produktionsqualitäten und einem ausgeprägten Näschen für sublime Dramatik verbindet, die ebenso reflektiert wie menschlich wirkt. Im Resultat bergen deshalb Veröffentlichungen wie die vielbeachtete EP „The Gaping Mouth“ (2021) oder das kryptisch anmutende Debütalbum „I Love To Live“ (2022) die Ästhetik von schrägen Träumen, von verwaschenen Kindheitserinnerungen durch die beim richtigen Duft, oder Geschmack, oder Geräusch ein klares Bild hervorsticht. Mal klingt das geradezu gelöst und geborgen, im nächsten Moment wieder wie ein stream of consciousness im Post-Punk-Modus. Mit dem zweiten Album „Ugly Duckling Union“ (2026) schenken sie uns folgerichtig den dieses Jahr vielleicht passendsten Soundtrack für eine Welt im totalen Widerspruch zu sich selbst.

