
PAULA PAULA
Einsicht ist der erste Schritt zur Besserung, sagen sie. Hat sich Marlène Colle auf ihrem Debüt „Schade kaputt“ (2023) noch mit dem Erkennen der eigenen Unvollkommenheit und einer Philosophie des Scheiterns befasst, zoomt der Fokus auf ihrem neuen Album ganz weit raus. Auf „Heilige Scheiße“ (2026) folgt der demütigen Kontemplation die gesamtgesellschaftliche Bestandsaufnahme, schmerzhafte Einsichten inklusive. Zwischen feministisch motiviertem Indie und Pop Noir, zwischen der subversiven Energie des Punks und der souveränen Anmut früher deutscher Chansons findet die DIY-Künstlerin aus Berlin hier eine Klangsprache, die gleichermaßen musikalisch wie politisch konzeptioniert ist. Doch nicht nur deshalb sind Stücke wie das exzentrische „4&fck40“ oder die bittersüße Ode an die Einsamkeit „Verlassen zu werden“ so irritierend, so verspielt und doch so ernst. Auch den Texten entgleitet immer wieder ein zurückgelehnter Sarkasmus, der harmonische Kapriolen und quirky Melodien kontrastiert. Scharfsinnige Gegenwartsbeobachtungen werden existenzialistisch seziert und in Reim und Lied überführt. Eine in diesen Tagen unersetzlicher kreativer Kraftakt, der uns dabei hilft, den gewonnenen Einsichten Taten folgen zu lassen. Paula Paula ist mit ihrem bissigen Protest-Pop schon längst dabei.

