
untitled (halo)
Trotz düsterer Aussichten mit Vorfreude gen Zukunft schauen? Vielleicht der schwierigste mindset stunt überhaupt in diesen unwirtlichen Zeiten. Ari, Jack und Jay legen das Ding aber derart smooth aufs Parkett, dass beim Hören von Songs wie „That's Honey“ (2024) oder „Finding God In The Cut“ (2024) die delikate Emotionsmixtur aus hypnotischer Nostalgie, hazy Eskapismus und nächtlicher Romanze fast schon unbemerkt in Geist und Seele einsinkt. Das Trio aus LA zockt sich durch verträumte Soundscapes, deren Hügel und Täler irgendwo zwischen Dean Blunt, Broadcast und Portishead auszumachen sind. Viel Inspiration fließt in EPs vom Schlage „Towncryer“ (2023) oder „Headbanger“ (2024), die zwar nicht selten wie ein Soundtrack für ein unveröffentlichtes Coming-of-Age-Drama aus den 90ern klingen, aber dennoch ihre eigene Signatur haben. Nuancen von Dream Pop und Neo-Psychedelia liegen als Firnis über der Produktion, ein paar sepiafarbene Slacker-Riffs schimmern durch Arrangements aus Trip-Hop und Hypnagogic Pop, die Vocals halb geraunt, oft kaum mehr als gehaucht – was dieses Trio unter dem Namen Untitled (Halo) veröffentlicht, zählt mit zum Spannendsten, was derzeit aus der pulsierenden Untergrundszene LAs nach Europa herüberschwappt. Wer gerne wegdriftet und sich fallen lassen will, sollte hier mindestens ein Ohr spitzen.

